Gemeiner Vampir
Vampire Bat
Vampire d'Azara |
Der Gemeine Vampir hat eine Größe von 7,5 - 9 cm. Bei der Fellfarbe treten zwei Varianten auf. Bei den meisten Tieren ist der Rücken bräunlichgrau und der Bauch hellgrau. In seltenen Fällen kommen aber auch rötlichbraune bis leuchtend gelbbraune Tiere vor, wobei der Rücken immer etwas dunkler ist als der Bauch. Das Fell ist kurz und dicht. Auch an den langen Unterarmen und Beinen gibt es eine sehr kurze Behaarung. Die Nasenpartie dieser Fledermausart ist abgeplattet und das typische dreieckige Nasenblatt der Blattnasenartigen fehlt. Die Ohren sind oben dreieckig und abgerundet und beinhalten einen kleinen lanzettförmigen Tragus (Ohrdeckel). Aufgrund der ungewöhnlichen Nahrung, sie ernähren sich ausschließlich von Blut, haben die Tiere rasiermesserscharfe Eck- und Schneidezähne und die Backenzähne weisen keine Kauflächen auf. Ein Schwanz ist nicht vorhanden. Der Gemeine Vampir kann mit Hilfe seiner langen Daumen, der Handgelenke, Ellenbogen und Füße gehen, hüpfen und sogar rennen. Der Sporn jedoch ist zu einem kleinen Auswuchs reduziert. Die Flügelspannweite kann 35 - 40 cm betragen.
Die Tiere sind in den Tropen der Neuen Welt beheimatet, wo sie vorzugsweise Kolonien von ca. 30 - 300 Tieren in Höhlen und stillgelegten Minen bilden. Aber auch Brunnen, Ruinen, Brücken und Felsvorsprünge können ihnen als Quartier dienen. Allerdings müssen diese Quartiere den hohen Anforderungen der Vampire genügen. Die Temperatur muß zwischen 20 und 25°C liegen und die relative Luftfeuchtigkeit muß 60 - 80 % betragen. Ein kurzes Unterschreiten der Temperaturen kann noch durch vermehrte Nahrungsaufnahme und höhere Aktivität ausgeglichen werden. Bei längerfristiger Über- oder Unterschreitung der notwendigen Umgebungstemperatur tritt jedoch schnell der Tod der Tiere ein. Normalerweise wird die Körpertemperatur konstant bei ca. 35°C gehalten. Die Tiere fallen nicht wie ihre europäischen Verwandten in eine Kältestarre und müssen sich deshalb dort aufhalten, wo für sie optimale Lebensbedingungen herrschen. Deshalb wird öfter zwischen verschiedenen Tagesquartieren gewechselt.
Gemeine Vampire sind nachtaktiv und fliegen erst bei Dunkelheit zur Nahrungsaufnahme aus. Zur Deckung des Nahrungsbedarfs trinken sie Blut von schlafenden Warmblütern, hauptsächlich Haustieren. Um den hohen Energiebedarf zu decken, müssen die Tiere nahezu das eigene Körpergewicht an Blut aufnehmen. Es wird wahrscheinlich ein Mal pro Nacht gefressen, wobei die Tiere ca. 2 Stunden außerhalb des Quartiers verbringen. Meist gehen sie in kleinen Gruppen auf Nahrungssuche. Manchmal fressen dann auch mehrere Tiere gleichzeitig an einem Opfer. Blutende Wunden werden von Tieren, die später ankommen, übernommen und auch alte Bißwunden vergangener Nächte werden wieder geöffnet. Noch während die Fledermäuse fressen, wird Urin ausgeschieden. Innerhalb einer Stunde nach der Nahrungsaufnahme werden so bereits 25 % des Nahrungsgewichts wieder verloren. Das ist auch der Grund dafür, daß sich unter den Schlafplätzen schwarzer, klebriger Kot in Pfützen sammelt.
Es scheint bei dieser Fledermausart keine saisonale Fortpflanzung zu geben, da über das Jahr verteilt Junge und trächtige Weibchen gesehen wurden. Die Tragzeit dauert ca. 7 Monate, wobei die Entwicklung des Eies sofort nach der Befruchtung beginnt. Nach der Geburt ist das Junge bis zum Austreten der Nachgeburt durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden und so vor dem Herunterfallen gesichert.
Außer dem Menschen haben Gemeine Vampire auch natürliche Feinde. Nachts bei der Beutesuche stellen ihnen Eulen nach und tagsüber werden sie von Schlangen an ihren Schlafplätzen gefährdet.
Trotzdem kann die Lebenserwartung 20 Jahre betragen.
| Fledertiersystematik |
Stand: 29.08.2005
© Katja Feldhoff