Der Bartgeier erreicht eine Größe von 100 - 114 cm, eine Flügellänge von 71,5 - 91 cm, eine Schnabellänge von 4,5 - 5 cm und ein Gewicht von 4,5 - 7 kg. Der Kopf und die Unterseite sind weißlich und Flügel, Schwanz und Rücken schwärzlich gefärbt. Der Rücken weist zudem ein helles Tropfenmuster auf. Oft ist zu beobachten, daß die Vorderseite rötlichbraun aussieht. Das kommt daher, daß die Vögel sehr gerne und regelmäßig in Schlamm dieser Farbe baden, um das Gefieder zu färben. Der Zweck dieser Färbung ist nicht mit Bestimmtheit erklärbar. Die charakteristische Gesichtszeichnung besteht aus einem schwarzen Augenstreif und dem schwarzen Bart, dem der Vogel seinen Namen verdankt. Die langen, schmalen Flügel und der lange, keilförmige Schwanz verleihen dem Bartgeier ein typisches Flugbild. Im Gegensatz zu seinen Geierverwandten besitzt er keine nackten Hautstellen am Kopf.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südeuropa über die Türkei bis in den Mittleren Osten und Zentralasien sowie Teile von Afrika. Die Tiere leben dort in abgeschiedenen Hoch- und Mittelgebirgstälern mit steilen Felspartien und Hochebenen oberhalb der Waldgrenze. Den Großteil des Tages verbringen sie in der Luft segelnd. Bartgeier beanspruchen Reviere in einer Größenordnung von 100 - 400 m², die sie auch gegen Artgenossen verteidigen. Sie leben das ganze Jahr über in ihrem Revier und unternehmen keine Wanderungen.
In den Alpen wurde der Bartgeier im 19. Jahrhundert ausgerottet. 1913 wurde das letzte Exemplar erlegt. Der Grund für die Ausrottung war, daß die Menschen den Legenden und Fabeln glaubten, die besagten, daß diese Vögel Lämmer und sogar kleine Kinder rauben, worauf auch der Name "Lämmergeier" zurückzuführen ist. Aber auch das Auslegen von Giftködern, der Abschuß im Auftrag zoologischer Sammlungen und der Rückgang der Nahrungsquellen trugen mit zum Aussterben bei. 1978 wurde ein Wiederansiedelungs-projekt in den Alpen gestartet, was auch nachhaltigen Erfolg hatte. In den vergangenen 16 Jahren wurden in der gesamten Region 106 Bartgeier in die Freiheit entlassen. Teilweise ist es auch schon zu erfolgreichen Bruten gekommen.
Die Brutzeit fällt in den Winter (Januar - April), weil zu dieser Zeit das Nahrungsangebot durch verunglückte Wildtiere, wie z. B. Gemsen und Steinböcke, am größten ist. Der Horst wird in einer Felsnische angelegt, die etwas mit Heu, Tierhaaren und Federn gepolstert wird. Das Weibchen legt in der Regel 2 weiße, braungefleckte Eier im Abstand von 4 - 5 Tagen. Nach einer Brutdauer von ca. 54 Tagen schlüpfen die Jungen. Da das erstgeschlüpfte Junge sich aggressiv gegenüber seinem Geschwister verhält und es vom Futter verdrängt, stirbt dieses nach kurzer Zeit. Dieses Verhalten bezeichnet man als Kainismus. Das zweite Ei stellt also lediglich eine biologische Reserve dar, falls das ältere Junge krank ist oder nach dem Schlüpfen stirbt. Beide Elternteile wechseln sich sowohl beim Brüten als auch bei der Jungenaufzucht ab. Die Jungvögel sind nach 107 - 111 Tagen flügge.
Bartgeier sind Aasfresser. Sie verwerten vor allem das, was andere Aasfresser übriggelassen haben. Bis zu 80 Prozent ihrer Nahrung besteht aus Knochen, Sehnen und Bändern. Knochen scheinen auf den ersten Blick als wenig nahrhaft, enthalten aber genau soviel Energie wie Fleisch. Ausschließlich die Bartgeier sind aufgrund ihres leistungsstarken Verdauungsapparates und die Salzsäure in ihrem Magen in der Lage, die enthaltenen Nährstoffe auch zu verwerten. Zum Verschlingen dieser sperrigen Nahrung ist ihr Schlund besonders stark dehnbar. Sind die Knochen doch einmal zu groß, tragen die Vögel diese in ihren Fängen hoch in die Luft und werfen sie auf schrägen Felsplatten ab, auf denen sie dann zersplittern.