Der Gänsegeier erreicht eine Größe von 97 - 104 cm, eine Flügellänge von 68 - 78 cm, eine Spannweite von mehr als 2,5 m, eine Schnabellänge von 5 - 5,5 cm und ein Gewicht von 4,5 - 10,5 kg. Die dunklen Schwungfedern heben sich von den hellbraunen Säumen im Flügel und vom hellen Körper ab. Die Flügel sind breit und gerade geschnitten. Der Schwanz ist kurz und breit. Der kleine, weiße Kopf geht in einen langen Hals über.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südeuropa über den Mittleren Osten bis nach Indien und Zentralasien. Die Vögel leben dort in trockenen, gebirgigen Landschaften mit hohen Felswänden und Hochebenen sowie offenen Ebenen.
Während der Brutzeit im Februar/März legt das Weibchen ein weißes Ei. Der aus dünnen Zweigen gebaute Horst liegt meist in einer Nische oder auf einem überdachten Sims in der Felswand. Gänsegeier sind Koloniebrüter. Sie leben in Einehe und beide Partner wechseln sich bei der 47 - 58 Tage dauernden Brutzeit ab. Die Jungen sind Nesthocker und werden erst nach 120 - 130 Tagen flügge.
Sobald Thermik einsetzt, steigen die Vögel hoch in die Luft und suchen ihr Revier nach Nahrung ab. Diese besteht aus Eingeweiden und Muskelfleisch vom Aas mittelgroßer Säugetiere. Fliegt ein Geier mit angelegten Flügeln zu Boden, folgen ihm auch die anderen. Am Kadaver herrscht eine Rangordnung, wer zuerst fressen darf. Oft verschlingen die Tiere so große Mengen an Nahrung, daß sie für längere Zeit fluguntauglich werden.